Christine Meitinger und die Stimmbänd

Christine Meitinger

Portrait:

Christine Meitinger ist im Pfaffenwinkel aufgewachsen und hat in Gießen und München Psychologie studiert. Sie lebt mit ihrem Mann Eberhard Schnell und ihren 5 Kindern, die zwischen 13 und 27 Jahre alt sind, in Deisenhofen und arbeitet als freiberufliche Psychotherapeutin. Dazu betreut sie das Yogastudio am Bahnhofplatz. Ehrenamtlich leitet Christine seit rund 15 Jahren die Stimmbänd und gestaltet mit ihr vor allem Gottesdienste in unserer Kirche, in Altersheimen und bei Obdachlosen. Auch auf Hochzeiten, Taufen und bei den Hachinger Bachtagen kann man die Stimmbänd hören. Sie selbst singt mit Leidenschaft im Kammerchor Oberhaching. Liebe Christine,

seit vielen Jahren gestaltet die Stimmbänd unter Deiner Leitung in unserer Kirchengemeinde die Musik in Gottesdiensten, gerade auch zu besonderen Festtagen oder Anlässen.  Nun hast Du im vergangenen Sommer sozusagen Geschichte geschrieben. Du hast als erste Anwärterin in Bayern die neu eingeführte „Große Kirchenmusikerprüfung“  im Nebenamt absolviert und damit auch das Maß für die künftigen Prüflinge gesetzt.  (Informationen über die neuen Prüfungen für Kirchenmusiker im Nebenamt finden Sie hier.) Wie hast Du von dieser Möglichkeit der Fortbildung innerhalb der evangelischen Landeskirche erfahren?

Auf einem Kirchenmusiker-Konvent wurde darüber berichtet. Da dachte ich mir, dass ein wenig Fortbildung ja nie schaden könnte, und habe mich zu den Chorleiterseminaren angemeldet, die der Kirchenmusikdirektor des Dekanats München, Andreas Hantke, fortlaufend anbietet. Allerdings wusste ich da noch nicht, was da alles auf mich zukommen würde.

Was war Deine Motivation, diesen Abschluss anzustreben?

Nun, ich bin mit Musik und Religion groß geworden. In meiner Familie wurde viel musiziert, meine Tante war Organistin und hatte in Peiting eine Musikschule. Dadurch hatte ich Gelegenheit, verschiedene Instrumente auszuprobieren. Schon bald spielte ich Klavier, Gitarre und Querflöte. Außerdem gab es in der Oberstufe die Gelegenheit das Fach „Chor“ zu belegen, also eine kleine Grundausbildung in Chorleitung. Mit 15 Jahren übernahm ich von meiner Tante dann die Leitung des katholischen Kinderchores.

Nach dem Abitur hatte ich zuerst überlegt, Musik zu studieren, aber dann wurde es doch die Psychologie. So ist der Kirchenmusikerabschluss ein bisschen die Vollendung meines ursprünglichen Gedankens, die Musik zu meinem Beruf zu machen. Außerdem finde ich, dass sich ein Chorleiter immer weiter entwickeln muss, damit sich auch der Chor entwickeln kann. Je besser der Chorleiter, desto besser der Chor. Und natürlich hätte man mit der bestandenen Chorleiterprüfung die Möglichkeit, eine entsprechende Stelle anzunehmen.

Du sagst, bei der Anmeldung zum Chorleiterseminar wusstest Du noch nicht, was auf Dich zukommt. Wie hast Du Dich drauf vorbereitet?

Bei der Teilnahme an den Seminaren wurde mir irgendwann klar, dass das die Vorbereitung für die Kirchenmusikerprüfung ist. Ich habe mir dann die Prüfungsordnung und Inhalte für die Kleine Prüfung aus dem Internet heruntergeladen, um mich vorzubereiten. Beide Prüfungen bestehen ja jeweils aus 3 Teilen, einer musikalischen Grundprüfung, einem theoretischen und einem praktischen Teil. Die Kleine Prüfung empfand ich als verhältnismäßig einfach, und die Prüfer empfahlen mir, auf jeden Fall die Große Prüfung abzulegen. 

Was hat sich denn so grundlegendes geändert mit der neuen Ordnung?

Früher konnte man die Kirchenmusiker-Prüfungen nur in Bayreuth machen. Neu ist, dass man sich beim zuständigen örtlichen Kantor dafür anmelden kann. Dieser ist dann auch für die Ausbildung und Begleitung der Prüflinge zuständig. Außerdem kann man mehr oder weniger selbst entscheiden, wo die Prüfung abgelegt wird. Das kann sozusagen „ambulant“ sein, dann kommt die  Prüfungskommission ins Dekanat oder aber „stationär“, bei einem Seminar im schönen Pappenheim. Man kann selbst entscheiden, für welche Inhalte man Coaching oder Begleitung in Anspruch nimmt und was man sich autodidaktisch aneignen kann.

Was war denn in der großen Prüfung so viel schwieriger oder anders und wie lief das ab?

Die Große Prüfung ist deutlich umfangreicher. In der musikalischen Grundprüfung muss man seine Kenntnisse u. a. in Gehörbildung, Harmonielehre und Tonsatz unter Beweis stellen. Die theoretischen Fächer umfassen theologisches Grundwissen, alles rund um Gottesdienst und Gesangbuch und natürlich die Kirchenmusik. Für die praktische Prüfung wird extra ein Chor einbestellt, mit dem man in nur 30 Minuten ein Chorwerk einstudieren muss. Mein Stück war das wunderschöne „Auf Gott allein will hoffen ich“. Da wurde geschaut, ob ich das Einsingen sinnvoll gestalte und wie souverän ich mit Schwierigkeiten beim Einstudieren umgehe. Wichtig war auch, wie klar und freundlich ich den Chor führe und anleite. Das Begleiten auf dem Klavier wird ebenfalls benotet, was bei der Stimmbänd ja sonst die Waltraud übernimmt. Da kam ich schon ins Schwitzen. Weil meine Prüfung so eine Art Testlauf war, durfte ich durchaus auch mit diskutieren! 

Im Nachhinein bin ich stolz darauf, das alles nebenher geschafft zu haben. Danke an alle, die mich dabei unterstützt haben, v. a. meine oft strapazierte Familie. Trotz aller Anstrengung und Aufregung hat mir die Vorbereitung viel Spaß gemacht und mir den evangelischen Glauben und die Kirchenmusik noch näher gebracht.

Herzlichen Glückwunsch zu deinem doch sehr guten Prüfungsergebnis. Ich frage mich allerdings immer, woher Du die Kraft für das ehrenamtliche Engagement mit der Stimmbänd nimmst. Sowohl Du als auch Eberhard mussten und müssen sich ja immer wieder mit gravierenden gesundheitlichen Problemen auseinander setzen.

Das Singen und Musizieren mit der Stimmbänd ist für mich ein Geben und Nehmen. Ich investiere in der Tat viel Energie, bekomme aber auch so unendlich viel Freude und Glück zurück. Wir sind ja alle verwandt und befreundet, sodass wir uns aufeinander freuen und in den Proben viel gelacht wird. Auch der  Zuspruch von den Gottesdienstbesuchern bei den Auftritten beflügelt natürlich. Und in den schweren Zeiten tragen uns diese Gemeinschaft und die Musik. Letztendlich sind wir zutiefst dankbar und glücklich, geborgen in Gottes Liebe.

Das Interview mit Christine Meitinger führte Tina Auracher

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