Grüß Gott...

...und herzlich willkommen auf der Homepage unserer Kirchengemeinde Zum Guten Hirten Oberhaching.   

Brief zum Sonntag
24.5.2020

Liebe Gemeinde,
Auch an diesem Sonntag werden wir wieder Gottesdienst feiern – um 18.30 Uhr in der katholischen Kirche St. Bartholomäus.
Doch gibt es sicher einige von Ihnen, die noch nicht zu einem Gottesdienst gehen wollen- deswegen werde ich weiterhin die Predigt ein bisschen verkürzt als Brief zum Sonntag schicken.

Liebe Gemeinde!

Nach wie vor gehen so viele Gefühle durcheinander in dieser Zeit: ich bin zuversichtlich, genervt, sorgenvoll – alles immer wieder abwechselnd. Und ein Grundgefühl bleibt: ganz so wie vorher wird es wohl nicht mehr werden. Bis wir wieder mit einer völligen Sorglosigkeit zusammenkommen können, wird es wohl noch eine Weile dauern. Auch im Hinblick auf unsere Gesellschaft wird sich einiges ändern und es wäre schön, wenn sich auch einiges zum Positiven ändern würde. In der Menschheitsgeschichte ist das nun nicht die erste Zeit, in der die Menschen sich grundlegende Veränderungen, einen neuen Geist wünschen. Natürlich finden sich Geschichten und Texte darüber in unserer Bibel – denn die Bibel erzählt ja von den Grunderfahrungen von uns Menschen, die wir nun einmal immer und immer wieder neu machen. Unser heutiger Predigttext führt uns zurück ins sechste Jahrhundert vor Christus. Es war eine sehr finstere Zeit für das jüdische Volk. Die babylonische Großmacht hatte das Land erobert, Jerusalem mitsamt dem heiligen Tempel zerstört und Tausende aus der Heimat fortgeschleppt. Die im Land Zurückgebliebenen fristeten inmitten der Trümmer ein trostloses Dasein, ohne Perspektive – und scheinbar auch ohne Gott. Sie fühlten sich von Gott verlassen und für immer verstoßen.Der Prophet Jeremia aber sah das anders. Vor dem Zusammenbruch hatte er dem Volk immer streng die Leviten gelesen, Unrecht und politische Willkür angeprangert. Nun aber schlägt er einen neuen Ton an und wendet sich mit einer hoffnungsvollen Botschaft an seine Landsleute:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr;
Sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den anderen noch ein Bruder den andern lehren und sagen: „Erkenne den Herrn“, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Große, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Es soll alles anders werden, ruft Jeremia. Auch ihr sollt anders werden. Gott fängt mit euch neu an. Und dieser Anfang geht tief in euer Innerstes hinein. Ein neues Herz, ein neuer Sinn, ein neuer Geist.

Das Volk soll wieder Freude haben an Gott. Es soll die Worte und Gebote nicht als Einengung empfinden, sondern als hilfreiche Weisung zu einem erfüllten Leben. Von Herzen aus sollen sie sie leben – und damit gut leben.
Ein neuer Bund soll da sein – ein neuer Anfang.
Diese wunderschöne Zusage ist zu schön, als dass sie auf das sechste vorchristliche Jahrhundert beschränkt sein dürfte. Da Gott lebendig ist, gilt seine Verheißung über die damalige Zeit hinaus bis hinein in unsere Gegenwart. Sie ist frohe Botschaft auch für uns.
Zwar liegt unsere Welt um uns herum zu Glück nicht in Trümmern – da hat es wahrhaftig schon weit schlimmere Zeiten gegeben.
Aber die Verunsicherung ist da – und für viele gehen die Sorgen auch um Existenzielles.
Es ist für uns greifbar geworden, wie sehr wir den Trost und die Gegenwart Gottes brauchen.
Und natürlich machen wir uns Gedanken, wie es weitergeht mit allem.
Gedanken, die sich die Menschen immer wieder gemacht haben und auch machen.
Damals in Jerusalem, als alles zerstört war, haben sich die Menschen auch diese Gedanken gemacht.
Die Worte des Jeremia haben damals den Menschen Mut gegeben. Jeremia hat ihnen zugerufen: ein neuer Anfang ist möglich!
Jeremia spricht zu allen, die verzweifelt sind und nicht wissen, ob sie noch an einen Gott glauben sollen.
Er spricht zu allen, die in Krieg und Not leben. Zu allen, die in Krankheit und Trauer sind.
Er sagt: es wird einen neuen Anfang geben.
Gott ist uns so nahe wie ein geliebter Mensch. In Jesus ist er uns Menschen so nahe gekommen, dass er sogar durch den Tod hindurch gegangen ist.
Genau dadurch können wir aber auch mit Gott zum Licht gelangen. Gott kann uns begleiten auf unserem Weg durch unsere Dunkelheiten hindurch, weil er sie kennt.
Und Gott gibt uns immer wieder – sei es durch Erlebnisse, durch Begegnungen, durch Musik oder Gemeinschaft - die Zeichen seiner Liebe und Hoffnung. Immer wieder scheint das durch und gründet sich auf der festen Zusage, die Gott uns Menschen gegeben hat.

Und so werden wir auch an diesem Sonntag um 10.00 Uhr die Glocken läuten und im Pfarrgarten und den Gärten darum herum einen Choral spielen.
Die Kirche ist offen und lebendig. Und um 18.30 feiern wir Gottesdienst in St. Bartholomäus.

Ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen!
Ihre Pfarrerin Irene Geiger-Schaller