Grüß Gott...

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Brief zum Sonntag
23.1.2022

Liebe Gemeinde!

Der Predigttext für diesen Sonntag ist die Geschichte vom Hauptmann zu Kapernaum. (Mk 8, 5-13).
Ein Satz in diesem Text ist ganz entscheidend: Der Hauptmann sagt zu Jesus: „Sprich nur ein Wort, dann wird mein Knecht gesund“. 

Ein Wort.
Wie begegnen uns eigentlich Worte? Können wir ihnen überhaupt etwas zutrauen? 
Wir brauchen Worte zur Verständigung und zum Austausch von Informationen, um Einkäufe zu tätigen, Besprechungen zu führen, Absprachen zu treffen, Nachrichten zu übermitteln und vieles mehr. Diese Worte benutzen wir zur Kommunikation und zur Information, sachlich und ohne Beteiligung von Gefühlen.
Worte können aber auch zur Geräuschkulisse werden. Massenhaft Worte rieseln täglich auf uns herab. Wir hören Worte im Radio, im Fernsehen, in den Lautsprechern von Geschäften. Worte berieseln den Hintergrund. Da nehmen wir oft gar nicht wahr, was eigentlich erzählt wird.
Die Worte rauschen nur so vorbei.
Es ist gar nicht so einfach, auf diesem Hintergrund eigene Worte zu finden. Sich konzentriert mit jemandem zu unterhalten. Aus der Flut der Worte hören wir kaum noch die richtigen und wichtigen heraus. Solche Worte informieren uns nicht, sie berühren uns nicht, sie sind nur Geräusche, beliebiges Rauschen im Hintergrund.
Dann gibt es aber auch noch Worte, die uns berühren und treffen. Worte, die uns positiv oder negativ berühren. Worte, die uns richtig zusetzen können.  Sie haben wahrscheinlich alle schon einmal erlebt, was Worte anrichten können. Da ist ein Gerücht, das die Runde macht. Der Betroffene hat kaum eine Chance sich zu wehren. 
Oder jemand hat etwas versprochen und löst dieses Versprechen nicht ein. Da entsteht Misstrauen. 
Vielleicht hat die ein oder andere von Ihnen auch schon erlebt, wie vernichtend ein Wort sein kann. Besonders Kinder bekommen das manchmal zu spüren: „Was hast du denn da schon wieder für einen Mist gemacht?“ „Aus dir wird nie was, wenn du so weitermachst.“ „Du taugst sowieso nichts“ – und so weiter.
Solche Sätze können Menschen fertig machen.

Dann gibt es noch die vielen Missverständnisse. Worte werden falsch verstanden, kommen falsch rüber. 
Es gibt Situationen, in denen die Worte fehlen. 
Es gibt aber natürlich auch Worte, die das Leben schöner machen. Worte, die nicht einfach vorbeirauschen. Der Brief eines Freundes oder einer Freundin zu Weihnachten. Ein guter Wunsch zum neuen Jahr von jemandem, von dem ich es gar nicht erwartet hätte.
Ein gutes Wort kann auch verändern. Ein einfaches Dankeschön. Ein Lob.  Ein vertrauliches und vertrautes Gespräch. Ein fröhliches Guten Morgen – so etwas kann den ganzen Tag bestimmen.

Können wir Worten also etwas zutrauen? Wenn ich mir die verschiedenen Arten des Umgangs mit Worten ansehe, dann ist klar: Es hängt auch von uns ab, ob Worte mächtig sind und ob sie uns verändern. Worte, die vorbei rauschen und nur als Kulisse wirken, denen ist nichts zuzutrauen. Worte, die Informationen austauschen, sind wichtig für die Kommunikation, aber sie bewirken von sich aus nicht viel in uns. Sie werden nur dann wichtig, wenn wir sie auch benutzen, wenn wir mit den Informationen umgehen.
Anders ist das bei Worten, die uns berühren. Wenn ich sie sie höre, wirken sie, ob ich das nun möchte oder nicht.

Der Hauptmann von Kapernaum geht davon aus, dass Jesus Worte sagen kann, die das Leben verändern. Er vertraut darauf, dass Jesu Wort einen Menschen in seinem Innersten berührt und trifft. Weil er Jesus zutraut, dass sein Worte mächtig genug sind gegen die Krankheit, geht der Hauptmann zu Jesus. Sein Vertrauen wächst aus diesem Zutrauen.

Jesus spürt, in welcher Not sich der Hauptmann befindet. Er spürt das Vertrauen. Dieser Mut, diese Hoffnung du dieses tiefe Vertrauen beeindrucken Jesus. Jesus sagt dem Hauptmann zu, dass er ihm hilft. Mehr wird nicht erzählt in der Bibel.
Es ist für Matthäus unwichtig, wie die Geschichte weiterging. Wichtig ist: Wer Jesus vertraut, ist Gott nahe. Wer auch immer es ist, woher auch immer er kommt, in welcher Situation auch immer er sich befindet.

Ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen!
Ihre Pfarrerin Irene Geiger-Schaller