Grüß Gott...

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Brief zum Sonntag
2.8.2020

Liebe Gemeinde!

Labyrinth

Vielleicht haben Sie dieses Labyrinth, das hier abgebildet ist, schon einmal gesehen. Es ist das Labyrinth aus der Kathedrale von Chartres. Im Original hat es einen Durchmesser von etwa 12 Metern und befindet sich auf dem Boden des Mittelschiffs. Im Mittelalter wurde es regelmäßig begangen oder auch betanzt.
Ein Labyrinth – das hat sonst eigentlich keinen so guten Beigeschmack. Wir verbinden es eher damit, dass wir uns in so einem Labyrinth verirren können. In antiken Sagen kommen solche Labyrinthe ja auch gerne vor; das Berühmteste ist wohl das des König Minos in Kreta. In seinem Labyrinth gab es einen wilden Stier – den Minotauros. Jedes Jahr mussten sieben junge Männer und Frauen in diesem Labyrinth eingeschlossen werden, als Tribut sozusagen. Das ist keine vertrauenserweckende Vorstellung.
Was soll dann so ein Labyrinth in einer Kathedrale?
Das Besondere an dem Labyrinth von Chartres ist, dass man sich darin nicht verirren kann. Der Weg führt immer zur Mitte – Sie können es mit einem Stift ausprobieren.
Man kommt jedoch nicht auf geradem Weg zur Mitte. Manchmal ist man ganz nahe dran, dann wieder weit weg.
So kann dieses Labyrinth zu einem Symbol für unser Leben und auch für unseren Glauben werden. Wir sind unterwegs zu unserer Mitte – zu Gott. Dieser Weg aber verläuft nie geradlinig, sondern verschlungen.
Manchmal fühlen wir uns Gott ganz nahe; dann fühlen wir uns auch mit uns selbst in Einklang.
Manchmal haben wir aber auch das Gefühl, weit weg zu sein – dann kann es verwirrend werden.

Auch die Perspektive verändert sich – je nachdem, wo wir uns in dem Labyrinth befinden. Das kann auch einmal sehr hilfreich sein.
Die Sommerferien haben begonnen. Manche verreisen, manche machen sich zu Hause eine schöne Zeit. Wo auch immer: vielleicht ist diese etwas ruhigere Zeit auch eine Gelegenheit, die Perspektive zu wechseln und die Dinge einmal wieder von einer ganz neuen Seite zu sehen.
Wenn wir auch vielleicht immer wieder einmal das Gefühl haben, uns im Labyrinth des Lebens zu verirren, so dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott unsere Mitte ist – wo auch immer wir sind. 

So wünsche ich Ihnen eine gute und erfüllte Zeit und von Herzen Gottes Segen!

Ihre Pfarrerin Irene Geiger-Schaller