Grüß Gott...

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Brief zum Sonntag
1.11.2020

Liebe Gemeinde!

Für diesen Sonntag habe ich wieder eine kleine Geschichte für Sie:

Ein alter Mann sitzt in einem Bus. In seinem Arm hält er einen wundervollen Blumenstrauß. Eine junge Frau kann ihren Blick nicht von der Blumenpracht lassen. Immer wieder schaut sie zu bunten Blüten. Kurz vor der nächsten Haltestelle erhebt sich der Mann und geht zu der Frau.
„Gefällt Ihnen der Strauß?“ Er reicht ihr die Blumen und sagt: „ Er ist eigentlich für meine Frau. Aber ich denke, sie hätte es gern, dass Sie ihn bekommen. Ich gehe jetzt zu ihr und erzähle ihr, dass ich Ihnen die Blumen geschenkt habe.“

Erstaunt nimmt die Frau ihren Strauß entgegen. Als der alte Mann aussteigt, sieht sie ihm nach.
Er verschwindet durch ein Tor, das auf einen kleinen Friedhof führt.

Ich finde dies eine wunderbare Geschichte. Denn in diesem Blumenstrauß begegnen sich die Welten.
Der Mann besucht seine Frau regelmäßig auf dem Friedhof – das ist traurig und schön zugleich. Er trauert sehr um seine Frau, hat sie aber so lebendig im Herzen, dass er ihr regelmäßig Blumen bringt.

Im Bus aber gibt er die Blumen der jungen Frau, der sie offenbar so gut gefallen. Er wendet sich in diesem Moment ganz dem Leben zu.

An diesem Sonntag werden auch viele Menschen auf den Friedhof gehen. Sie werden sich erinnern an ihre Lieben, die gestorben sind. In dieser Erinnerung sind sie in den Herzen lebendig.

Natürlich verändert der Tod alles – wenn ein Mensch stirbt, ist er nicht mehr da. Aber in unserer Liebe zueinander und in unserem Glauben, dass wir nach dem Tod bei Gott aufgehoben sind, begegnen sich der Tod und das Leben. Auf eine andere Weise können wir uns immer noch nahe sein.

Ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen!

Ihre Pfarrerin Irene Geiger-Schaller