Claudia Merkle-Hauber

Claudia Merkle-Hauber

In den Kyberg-Nachrichten vom März wurde über den ökumenischen Helferkreis berichtet, der sich um die Asylbewerber in Oberhaching kümmert. Von Anfang an ist Claudia Merkle-Hauber in diesem Kreis aktiv. Wir haben sie in einem Interview zu ihrer Tätigkeit befragt.

 

Liebe Claudia, du bist ja seit seiner Gründung im Helferkreis ehrenamtlich engagiert. Was motiviert dich, hier mitzuhelfen?

Da ich selbst einige Jahre im Ausland gelebt habe, weiß ich, wie wertvoll es ist, von Einheimischen unterstützt zu werden. Das hilft sehr, sich zurechtzufinden und sich zu integrieren.

Bereits als im Frühjahr 2013 sichtbar wurde, dass immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen, war es mir ein Anliegen, ob nicht auch Oberhaching Asylbewerber aufnehmen könnte. Ich fühlte mich daher sofort angesprochen, als dann nach den Sommerferien die Anfrage von Bürgermeister Schelle an die Kirchengemeinden kam, einen Helferkreis aufzubauen. Ich denke, er hat hier ganz richtig gesehen, dass es ein zentraler Auftrag der Christen ist, sich um Schwache und Bedürftige zu kümmern.

Es hat dann ja noch bis Februar 2014 gedauert, bis die ersten Asylbewerber hier ankamen. Wer ist denn nun da, und was waren die Gründe für die Flucht?

So viel kann ich sagen: Im Moment sind 2 sechsköpfige Familien da, die beide aus Afghanistan stammen und schon mehrere Jahre auf der Flucht waren. „Wären wir in Afghanistan geblieben, hätten mich die Taliban mit Sicherheit umgebracht“, sagte mir einmal eines der Mädchen.

Ich stelle mir vor, dass es nicht so einfach ist, sich zu verständigen.

Bei der einen Familie ging es anfangs nur mit Händen, Gesten und Zeichnungen. Eine afghanische Familie, die schon seit Jahren in Oberhaching lebt, hilft uns freundlicherweise mit dem Dolmetschen, vor allem auch bei Arztbesuchen. Die zweite Familie hat 2 Kinder, die schon mit guten Deutschkenntnissen kamen und für die Familie übersetzen. Durch Schule und Deutschkurs ist es inzwischen deutlich einfacher geworden. Manchmal sorgen aber auch die kulturellen Unterschiede für Missverständnisse. In einer Atmosphäre von Vertrauen und Respekt lassen sich solche Hindernisse aber gut überwinden, und sei es, dass wir zum Schluss gemeinsam darüber lachen, uns nicht verstanden zu haben.

Und wie helft Ihr den Familien ganz konkret?

Eine größere Gruppe aus dem Helferkreis gibt 2 x wöchentlich Deutschunterricht und Nachhilfe nach Bedarf.

Ich selbst habe so eine Art Patenschaft für eine der Familien. Wenn möglich trinke ich einmal die Woche eine Tasse Tee mit ihnen. Dabei reden wir über alles, was im Moment ansteht. Anfangs ging es viel um Arztbesuche, mittlerweile handelt es sich oft um Schulthemen, und ein Dauerthema sind die vielen  Formulare und amtlichen Bescheide.

Natürlich lässt sich das alles nicht scharf abgrenzen. Alle im Helferkreis arbeiten eng zusammen, und helfen sich gegenseitig aus.

Wie ist die öffentliche Resonanz auf eure Arbeit?

Hier erleben wir sehr viel Positives: Angefangen bei der Spende aus der Christbaumaktion und einem Preisnachlass für den Sommersprachkurs bei der VHS München, über die örtlichen Vereine, die den Kindern die kostenlose Teilnahme ermöglichen, bis hin zu großem Interesse und Spendenbereitschaft Einzelner.

Es ist wohl zu erwarten, dass weitere Asylbewerber  nach Oberhaching kommen. Wie seid Ihr als Helferkreis darauf vorbereitet und welche Unterstützung braucht ihr evtl. zusätzlich?

Nun, da ja der Zustrom nach Deutschland anhält, sucht das Landratsamt in allen Orten nach Unterbringungsmöglichkeiten. Wenn dann wieder jemand nach Oberhaching kommt, wird es darum gehen, auch für diese Menschen Paten und Helfer zu organisieren sowie Deutschunterricht anzubieten.

Im Übrigen freue ich mich, dass mein Mann Stefan, der mich ja schon die ganze Zeit bei meinem Einsatz unterstützt, nun auch offiziell in die Helferkreisarbeit mit einsteigen konnte.

Was ist Dein persönliches Fazit aus der bisherigen Arbeit?

Einerseits ist es viel Arbeit und manchmal auch anstrengend, vor allem wenn zu den planbaren Aktivitäten Unvorhergesehenes dazukommt, das schnelles Handeln erfordert.

Auf der anderen Seite  ist es einfach schön zu erleben, wie aus dem Helfen eine Beziehung über die Kulturgrenzen wächst, in der beide Seiten viel voneinander lernen.

 

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